Feld

Erste Berliner Trabrennbahn in Weißensee 1878

Am Morgen des 16. Juni 1878 war es im kleinen Gutsbezirk – zwei Jahre später selbstständige Gemeinde Neu-Weißensee – um die Idylle geschehen. Kremser, Droschken und Kutschen zuckelten durch die Straßen.Mehr als 6.000 Schaulustige eilten herbei.

Für die sechs Sonntags- und sieben Montagsrennen hatte man zwar 27 beziehungsweise 31 Starter angegeben, doch wegen akuten Pferdemangels waren Vielseitigkeitstalente Trumpf. Diese verdienten morgens ihren Hafer vor der Droschke im Personenverkehr, bevor sie nachmittags mehrmals starten mussten: erst im Hochradsulky, dann im zweispännig Fahren und schließlich im Trabreiten. Zudem waren Alter und Abstammung bei den meisten Vierbeinern ein Buch mit sieben Siegeln.

Der Aufstieg schien unaufhaltsam zu sein! Schon 1880 lockte Weißensee an 18 Tagen mit 110 Rennen

Anno 1881 wurden durch die Entscheidung des Reichs- und Oberverwaltungsgerichts beide Wettunternehmungen als gewerbsmäßiges Glücksspiel und nach § 284 RStG für unzulässig erklärt. Dieses Verbot bedrohte die Existenz des schon etablierten Galopprennsportes samt Zucht, von den Trabern ganz zu schweigen. Die Lankwitz-Lichterfelder Gesellschaft brach zusammen. In Weißensee finanzierten Clubmitglieder und Traberbesitzer mehrere Veranstaltungen sogar aus eigener Tasche, der Rennverein reichte Gegenklage beim Oberverwaltungsgericht ein. Vergeblich, Wetten blieb als strafbares Glücksspiel verdammt. Vier Club-Offizielle wurden zu einer Geldstrafe von je 100 Mark verdonnert, ersatzweise zehn Tage Gefängnis.

Am 1. Juli 1884 beschloss der Verein notgedrungen seine Auflösung, wozu Bruno Hettwer zu Papier brachte: »Dem Berliner Traber-Club darf trotz mancher Schwächen die Anerkennung nicht versagt werden, dass er den Gedanken der Trabrennen vor 60 Jahren tatkräftig verwirklicht und unter den gegebenen Umständen bis zum letzten zäh verteidigt hat. Er ging bisher unbeschrittene Wege und darf daher der Pionier der ganzen Trabersache genannt werden«.

Als Kaiser Wilhelm I. am 30. August 1886 mittels einer Zirkular-Verfügung die Wiedereinführung des Totalisators auf den Rennplätzen – unter gewissen Bedingungen – gestattete, wagte der eben gegründete »Berliner Trabrenn-Verein« einen Neuanfang in Weißensee. 1888 wurde das erste »Matadoren-Rennen« gestartet, beherrscht von Blue Belle aus dem Gestüt Mariahall. Nach neuerlichem Auf und Ab fiel 1912 der endgültig letzte Trabervorhang.1922 erwarb der Stadtbezirk Weißensee das Gelände, nutzt es als Kinderspielplatz, für den Vereinssport und für Motorradrennen. 1955 folgte die Einweihung einer Radrennbahn samt Motorcross-Anlage. Viel später ließen Popkonzerte mit Bruce Springsteen, Joe Cocker & Co. wiederum Tausende zum Terrain an der Rennbahnstraße pilgern. Leider weitgehend in Vergessenheit geraten als Wiege des Berliner Trabrennsports!

Heute sieht das ganze so aus:

440
Unsere Heimspiele sowie unser Training finden auf dem Kunstrasenplatz an der Roelckestraße statt. Aber auch über die Rennbahnstraße erhaltet ihr Zugang zur Sportanlage.

Roelckestr. 106
13088 Berlin

Google Maps: Sportplatz Roelckestr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s